Keine Kriegsproduktion in Osnabrück – Infostand am VW-Werkstor
Vom 01. bis zum 09. Dezember standen am VW-Werk in Osnabrück Aktivist*innen der antimilitaristischen Vernetzung „Zukunftswerk Osnabrück“ vor dem Werkstor der VW-Fabrik in Fledder. Früh-, Spät-, und Nachtschicht, zu allen Zeiten waren Aktivist*innen vor Ort, brachten Flyer, Pavillon, Kaffee und Kuchen zum Tor. Unser Hauptanliegen war es mit den Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu diskutieren. Wie stehen die Menschen, welche im Werk arbeiten zu der Übernahme von Rheinmetall oder einem anderen Rüstungskonzern, wie ist die Stimmung im Werk. Häufig mussten wir uns allerdings erstmal mit der Polizei und dem Werksschutz auseinandersetzen. Obwohl die Versammlung angemeldet war und das Versammlungsrecht es durchaus vorsieht, dass der Ort einer Versammlung etwas verlegt werden darf, pochten sie darauf, dass der Infostand abseits vom Werkstor stehen müsse, so dass ihn ein Großteil der Kolleg*innen gar nicht bemerkt hätte. Die unmittelbare Anweisung an den Werksschutz von der Chefetage, eine Versammlung auf dem Gelände zu unterbinden, spricht ebenfalls für sich, auch diese ist rechtlich gedeckt, da Firmen, bei denen Bund oder Land Anteile haben, Versammlungen ermöglichen müssen. Erfreulicherweise konnte der Stand in den aller meisten Fällen vor dem Tor durchgesetzt werden.
Anfangs waren die meisten VW-Arbeiter*innen skeptisch oder desinteressiert und bei vielen blieb das auch so. Das verwundert uns nicht und ist auch nachvollziehbar. Nach acht Stunden wollen die meisten keine langen Gespräche oder Diskussionen mehr führen. Vor allem aber kommen wir nicht aus dem Werk, sondern „von außen“. Nach einigen Tagen zollten uns jedoch einige Kolleg*innen Respekt für unser Durchhalten und es gab den einen oder anderen Austausch. Dabei wurden folgende Punkte besonders deutlich:
- Die meisten Kolleg*innen beschäftigt verständlicherweise die Sorge um den Arbeitsplatzverlust. Rheinmetall wäre für einige zumindest ein „sicherer“ Arbeitsplatz.
- Die Kolleg*innen werden von der Chefetage vollkommen im Ungewissen gelassen. „Es dringt nichts zu uns durch“ waren häufige Worte.
- Einige Arbeiter*innen äußerten, dass sie auch lieber Lastenräder oderBusse bauen würden als Kriegsgerät, sie aber nichts zu entscheiden haben.
Für uns ist die Sorge um den Arbeitsplatz natürlich nachvollziehbar. Sie ist unmittelbar Alltag, „wie bezahle ich meine Miete, Lebensmittel, Strom und Gas“ sind konkret und viele der Kolleg*innen haben Kinder. Eine Übernahme durch Rheinmetall würde jedoch nur für die Hälfte der Belegschaft eine Übernahme bedeuten, das zeigen Rüstungskonversionen in anderen Fabriken. Zusätzlich müssten die Kolleg*innen eine Sicherheitsüberprüfung mit sich machen lassen, also einmal durchleuchtet werden. Vor allem aber wird Kriegsgerät produziert, um es auch einzusetzen, heißt also Krieg. Krieg ist nicht im Interesse der Arbeiter*innen, ob bei VW oder woanders.
Dass einige Kolleg*innen äußern, dass sie nichts zu entscheiden haben, ist genau der Punkt, den wir von der Vernetzung ebenfalls kritisieren! Die Kolleg*innen werden überhaupt nicht gefragt, was sie produzieren wollen und sind dementsprechend auch nicht verantwortlich zu machen. Darum ginge es, dass die Menschen entscheiden bzw. mitentscheiden was produziert wird.
Von der Vernetzung bleiben wir weiter am Ball, ob vorm Werkstor, in der Stadt, auf Kundgebungen oder mit Veranstaltungen – bringt euch ein!

