Zukunftswerk Osnabrück kritisiert Umdeutung von Pazifismus, Frieden, Resilienz und Gewerkschaftsauftrag durch IG Metall-Bevollmächtigten

Osnabrück, 14.12.2025

Das Aktionsnetzwerk Zukunftswerk Osnabrück kritisiert die jüngsten öffentlichen Aussagen des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Osnabrück, Stephan Soldanski, zur möglichen Rüstungsproduktion am VW-Standort Osnabrück (siehe haz.de) scharf. Die Behauptung, eine solche Produktion sei mit pazifistischen Grundsätzen vereinbar, stellt aus Sicht des Netzwerks eine gefährliche politische und begriffliche Umdeutung dar.

Pazifismus ist keine private Gesinnung, die sich beliebig mit Standort- oder Industriepolitik kombinieren lässt“, erklärt Kim Pfeffer aus dem Aktionsnetzwerk „Zukunftswerks Osnabrück“. „Wer Rüstungsproduktion legitimiert, verlässt den Boden friedenspolitischer Positionen – unabhängig davon, wie er sich selbst bezeichnet.

Keine „defensive“ Rüstung – Waffen sind Mittel organisierter Gewalt

Das Zukunftswerk weist ausdrücklich Soldanskis Vorstellung zurück, es gebe „defensive“ oder „friedenssichernde“ Waffen. Waffen seien keine Schutzinstrumente, sondern Mittel organisierter Gewalt. Ihre Existenz beruhe darauf, eingesetzt zu werden – nicht darauf, Frieden zu bewahren. „Die Rede von angeblich defensiver Rüstung ist Teil einer politischen Sprachregelung, die Beschäftigte und Öffentlichkeit an Militarisierung gewöhnen soll“, so das Netzwerk. „Wer diese Begriffe übernimmt, übernimmt bereits die Logik der Aufrüstung und Militarisierung.“ So zeigen auch aktuellen die Recherchen des NDR wie scheinheilig die bisherigen Versprechen waren, in Osnabrück sollten bei Rheinmetall-Übernahme lediglich gepanzerte Fahrzeuge und Krankentransporter gebaut werden: Stattdessen ging es um über 600 Panzer! (https://www.tagesschau.de/inland/regional/50-milliarden-paket-grosse-ruestungsauftraege-fuer-den-norden,ruestungsauftraege-100.html)

Im Interesse der Beschäftigten war Krieg noch nie

Besonders entschieden widerspricht das Zukunftswerk der Darstellung, Rüstungsproduktion liege im Interesse der Beschäftigten. Historisch sei das Gegenteil der Fall: Kriege seien immer auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung geführt worden – durch steigende Ausbeutung, soziale Verelendung, Hunger und schließlich durch Verstümmelung und millionenfachen Tod und an den Fronten, während andere profitierten. Der Osnabrücker Schriftsteller Erich Maria Remarque, den Soldanski im Interview mit der haz scheinheilig lobte, in seiner habe diesen Zusammenhang klar benannt: „Ich sah, wie Menschen gegeneinander geschickt wurden, die sich nie gehasst hatten, und ich sah, wie der Hass gemacht wurde – von denen, die nicht kämpften.“ (Im Westen nichts Neues).

Selbstaufgabe statt Interessenvertretung

Besonders kritisch bewertet das Zukunftswerk Osnabrück die Aussage des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Osnabrück, es sei „illusionär“ zu glauben, Beschäftigte und Gewerkschaft könnten Einfluss darauf nehmen, welche Produkte künftig im VW-Werk Osnabrück hergestellt werden. Die Entscheidung liege „allein bei Volkswagen“.

Diese Haltung bedeutet eine kapitulantenhafte Selbstaufgabe gewerkschaftlicher Interessenvertretung“, erklärt das Netzwerk. „Wer öffentlich erklärt, dass Belegschaft und Gewerkschaft über die Zukunft ihres Standorts nicht mitentscheiden können, verabschiedet sich vom eigenen satzungsgemäßen Anspruch.

Die IG-Metall-Satzung verpflichtet ausdrücklich zur Interessenvertretung „für Frieden, Abrüstung, Völkerverständigung und den Schutz der natürlichen Umwelt“ – notfalls auch im Konflikt mit Unternehmensinteressen und mittels Arbeitskampf. Stattdessen werde so die Anpassung an rüstungsindustrielle Verwertungslogiken legitimiert. „Das ist kein Realismus, sondern das Betteln um Brotkrumen vom Profitefestmahl der Kriegsgewinner.“

Gewerkschaften dürfen sich nicht in die Kriegslogik einpassen

Die Aussagen aus Osnabrück stehen aus Sicht von ´Zukunftswerk Osnabrück´ nicht isoliert, sondern fügen sich nahtlos in eine bundesweite Entwicklung des IG Metall-Apparates ein. Schon im Februar 2024 veröffentlichte der IG Metall-Vorstand zusammen mit dem SPD-Wirtschaftsforum und dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) das Strategiepapier „Souveränität und Resilienz sichern“ .

Dieses Dokument aus den Marketingabteilungen der Rüstungslobby fordert offen den Ausbau einer „dauerhaft leistungsfähigen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie“ – inklusive Planungssicherheit, Exportfähigkeit und enger Verzahnung von Politik, Industrie und Gewerkschaften. „Hier werden zentrale Begriffe wie Resilienz, Souveränität und Sicherheit systematisch militarisiert“, so das Netzwerk. „Resilient ist darin nicht die Gesellschaft, sondern die Lieferkette. Souverän ist nicht der Mensch, sondern der nationale Rüstungsproduktionsstandort.“

In diesem Zusammenhang erinnert das ´Zukunftswerk Osnabrück´ auch an die skandalöse Teilnahme des stellvertretenden IG-Metall-Bundesvorsitzenden Jürgen Kerner an einem Handelsblatt-Rüstungskongress – ausgerechnet am Antikriegstag 2025. „Wenn Gewerkschaftsspitzen mit Militärs und Rüstungskonzernen über ein sogenanntes ‚olivgrünes Wirtschaftswunder‘ diskutieren, ist das kein Dialog, sondern politische Einpassung in einen Kriegskurs.“

Klare Position des Netzwerks ´Zukunftswerk Osnabrück´

Das Aktionsnetzwerk Zukunftswerk Osnabrück bekräftigt seine Haltung:

  1. Eine Rheinmetall-Übernahme des VW-Werkes oder sonstige Rüstungsumstellung muss verhindert werden. Die Friedensstadt Osnabrück darf keine Rüstungsschmiede werden!
  2. Erhalt aller Arbeitsplätze und Entwicklung langfristiger Sicherheit. Euer Kampf ist unser Kampf – wir kämpfen zusammen!
  3. Perspektiven einer Konversion und Vergesellschaftung des Werks entwickeln. Sinnvolle Industrie für die Bedürfnisse aller und nicht den Profit weniger!

Deshalb gilt:

Pazifismus darf nicht zu Standortpolitik umgedeutet werden! Keine Unterordnung von Gewerkschaften unter militärische und rüstungsindustrielle Interessen!

Gewerkschaften gehören an die Seite der Beschäftigten – nicht an die Tische der Kriegsplaner“, so das Netzwerk abschließend. „Eine friedliche, sozial-ökologische Zukunft des VW-Werks ist möglich. Selbst Soldanski erklärt im Interview, dass die Beschäftigen sie fordern. Grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass Militarisierung klar zurückgewiesen wird – politisch, industriell und sprachlich.“

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