Zukunftswerk im Gespräch mit Gewerkschaften: Für solidarische Lösungen und zivile Perspektiven am VW-Standort Osnabrück
Sechs Aktivist*innen des Zukunftswerks Osnabrück – darunter mehrere langjährige und erfahrene Gewerkschafter*innen – besuchten am Mittwochvormittag, 18.02., die Verwaltungsstelle der IG Metall Osnabrück zu einem kollegialen Austausch. Ziel war es, die Gewerkschaft an ihren umfassenden gesellschaftlichen Auftrag zu erinnern: Gewerkschaft heißt, sich einzumischen – für Frieden, gute Löhne und Solidarität statt Panzer, Profite und Patriotismus.
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Osnabrück, Stephan Soldanski, stellte sich für ein knapp fünfzehnminütiges Gespräch im Flur der Verwaltungsstelle zur Verfügung. Er erläuterte, die IG Metall Osnabrück engagiere sich in enger Abstimmung mit der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt gemeinsam mit dem Betriebsrat für den Erhalt der Arbeitsplätze. Angesichts der Konzernstrukturen sei dies jedoch schwierig, da grundlegende Entscheidungen letztlich in Wolfsburg getroffen würden. Zugleich habe er den Eindruck, dass die Belegschaft Vertrauen in diesen Kurs habe.
Der antimilitaristische Auftrag der IG-Metall-Satzung sei ihm bekannt, erklärte Soldanski weiter. Eine Umstellung auf zivile Produktion – etwa Bus- oder Bahnproduktion – halte er derzeit jedoch nicht für eine realistische Perspektive. Es brauche Entscheidungen jetzt und nicht erst in zehn Jahren. Laufende Verhandlungen dürften deshalb nicht durch spektakuläre Aktionen gestört werden. Eine Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Kräften zur Auslotung möglicher Alternativen zur Rüstungsproduktion sehe die IG Metall Osnabrück aktuell nicht vor. Auch wiederholte Angebote des Zukunftswerks zu einer konstruktiven Kooperation lehnte er ab und empfahl den Aktivist*innen, ihre Anliegen eher in Wolfsburg und Hannover vorzutragen. Öffentliche Debatte jenseits von verschlossenen Türen sehe die IG Metall nicht als ihre Aufgabe.
Im Anschluss besuchten drei Aktivist*innen die Bezirksverwaltung von ver.di sowie den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Osnabrück im DGB-Haus, um das Zukunftswerk persönlich vorzustellen und Möglichkeiten solidarischer Kooperation für eine nachhaltige sozial-ökologische Zukunft des VW-Werks zu besprechen. In zwei kollegialen Gesprächen in angenehmer Atmosphäre wurden Ideen, Kontakte und Perspektiven ausgetauscht und vereinbart, zum Thema im Austausch zu bleiben.
Während dieser Gespräche verteilten weitere Aktivist*innen vor dem DGB-Haus Flugblätter an interessierte Passant*innen sowie Gewerkschaftskolleg*innen, die Termine bei ihren Gewerkschaften wahrnahmen. Darin wurde für die Idee geworben, dass Gewerkschaft bedeutet, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Perspektiven für sichere Arbeitsplätze in ziviler Produktion zu entwickeln.
Insgesamt ziehen die Aktivist*innen des Zukunftswerks Osnabrück ein positives Fazit des Vormittags. Sie äußerten Verständnis für die schwierige Situation der örtlichen IG Metall und insbesondere des Ersten Bevollmächtigten. Zugleich bedanken sie sich dafür, dass Stephan Soldanski sich dem Gespräch gestellt hat. Das Zukunftswerk bekräftigt weiterhin sein Interesse an einer solidarischen Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Betriebsrat und Zivilgesellschaft, um alle Arbeitsplätze zu sichern und eine nachhaltige, zivile und sozial-ökologische Zukunftsperspektive für das VW-Werk Osnabrück zu entwickeln. Die heutigen Gespräche seien Anlass zur Hoffnung, dass diese Zusammenarbeit in den bevorstehenden entscheidenden Monaten Fahrt aufnimmt.
Hoffnung durch gewerkschaftliche Debatte
Zusätzliche Hoffnung schöpft das Zukunftswerk aus Stimmen innerhalb der IG Metall selbst: So beschlossen über 200 Vertrauensleute bei Ford in Köln im Januar 2026 eine Erklärung gegen Kriegswirtschaft und gegen die Umstellung ziviler Industrie auf Rüstungsproduktion. Für das Zukunftswerk zeigt dies, dass die Debatte um eine zivile, sozial-ökologische Industrieperspektive auch innerhalb der Gewerkschaften an Bedeutung gewinnt und möglich – selbst in der IG Metall und dort, wo massenhafter Stellenabbau droht, so wie bei Ford in Köln.



