Heute wegen des Krieges vor 80 Jahren evakuiert – morgen im Fledder neue Kriegsmaschinen bauen?

Morgen, am 9. November werden in Osnabrück über 14.000 Bewohner*innen evakuiert, um Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Tausende von Haushalten sind betroffen, während der Entschärfung darf sich niemand im Evakuierungsgebiet aufhalten. Das ist selbstverständlich unbequem, doch wir sollten uns auch dringend vor Augen führen, dass eine kontrollierte Entschärfung die mildeste Variante dessen ist, was mit den Bomben hätte passieren können.

Bei insgesamt 79 Luftangriffen wurden im zweiten Weltkrieg unzählige Bomben auf den Osnabrücker Bahnhof, die Altstadt und kriegswichtige Industrieanlagen (Klöckner, Karmann, das heutige KME…) abgeworfen. Das passiert im Krieg. Noch 80 Jahre später müssen wir uns mit den Folgen auseinandersetzen – das sollte uns doch vor Allem eines vor Augen führen: Nie wieder Krieg!

Leider passiert das Gegenteil: Die nächsten Kriege werden schon wieder auf allen Ebenen vorbereitet:

  • organisatorisch: Wiedereinführung der Wehrpflicht, deutliche Erhöhung der Anzahl aktiver Streitkräfte…
  • propagandistisch: Vor ein paar Tagen hat die NATO doch tatsächlich den Westfälischen Friedenspreis gewonnen – und das war keine Fake-Meldung!
  • technisch: Durch massiven Ausbau von Rüstungsproduktion, jetzt will sich Rheinmetall als einer der größten Kriegsgewinner der Welt auch in Osnabrück breit machen.

Fast ein bisschen bizarr wirken vor diesem Hintergrund die Vorwürfe gegen Unbekannte wegen einer Flyeraktion. In den vergangenen Tagen waren in Osnabrück Schreiben im Namen der Stadt aufgetaucht, die über einen vermeintlichen „Operationsplan Fledder“ informierten. Die dortige Behauptung, dass anlässlich der möglichen Neuansiedlung von Rüstungsindustrie eine Begehungen durch Bundeswehrstreitkräfte und die Prüfung von Kellern für Luftschutzanlagen die Rede war, würde Angst schüren und die Bevölkerung verunsichern.

Wen das ängstigt, der sollte sich mal überlegen, was es bedeutet, sich an Kriegstreiberei zu beteiligen. Ja, Kriege finden aktuell vor Allem weit weg statt. Die Folgen sind jedoch deshalb nicht weniger schlimm, sie treffen nur Andere. Die Gesellschaft ist verroht und abgestumpft vor Allem durch die Erzählungen der Kriegstreiber*innen, es gehe ja bei der aktuellen Aufrüstungskampagne nur um Abschreckung und Verteidigung, wir müssten unsere westlichen Werte verteidigen.

Dabei funktioniert die Rüstungswirtschaft ganz anders. Einmal produziertes Kriegsgerät wird überall dorthin verkauft und eingesetzt, wo Absatzmärkte existieren: Ob gegen die Zivilbevölkerung in Palästina, gegen Kurd*innen in der Türkei oder im Nord-Irak. Verlierer des Krieges ist immer die Zivilbevölkerung. Gerade Rheinmetall exportiert als globaler Konzern Waffen in alle Welt, gerne auch an beide Seiten kriegerischer Auseinandersetzungen.

Im (aktuell noch fern liegenden) Kriegsfall in Deutschland wären die Bewohnerinnen benachbarter Stadtteile von Rüstungsfabriken selbstverständlich in Gefahr das Ziel von Luftangriffen zu werden. Das ist keine Fiktion. Und sollte das glücklicherweise nie passieren, dann werden in jedem Fall mit Osnabrücker Waffen anderswo Zivilistinnen getötet.

Das VW-Werk in Fledder steht vor dem Aus. Die Aufträge laufen 2027 aus, der Gesamtkonzern zeigt kein besonderes Interesse an dem Standort, Rheinmetall hat Interesse an einer Übernahme bekundet. Aber selbst wenn Rheinmetall das Werk nicht übernehmen sollte, ist damit eine zivile Zukunft der Fabrik noch nicht sicher. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte von (Ex-)Karmann, dass in den Hallen für den Krieg produziert wird.

Die Werksleitung und die Gewerkschaft halten sich zu diesen Entwicklungen bisher bedeckt. Dabei ist es höchste Zeit, selbst alternative Perspektiven für das Werk zu entwickeln und öffentlich zu machen!

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