Wer ist Rheinmetall?
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern rangierte 2023 mit einem Umsatz von fast 5,48 Mrd. USD im Rüstungsgeschäft auf Platz 26 der weltweit größten Rüstungsunternehmen und ist damit Deutschlands größte Rüstungsschmiede. 2024 wurde bereits ein Umsatz von über 9,7 Mrd. Euro erzielt und für 2025 ein Umsatz jenseits der 12 Mrd. Euro prognostiziert. Die Entwicklung der Rheinmetallaktie seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges gilt in den Medien oft Beispiel für die «Leistungsfähigkeit» der Rüstungsindustrie und ihres Potentials, «den Wohlstand in Deutschland zu fördern» – an ihr lässt sich der Weg der Rüstungsindustrie aus der industriellen und gesellschaftlichen «Schmuddelecke» ins Rampenlicht besonders verdeutlichen. Wie kaum ein anderes Unternehmen ergreift Rheinmetall die Gunst der Stunde zu expandieren und sich durch Zukäufe und Erweiterung seines Portfolios nahezu unentbehrlich zu machen. Jüngste Entwicklungen legen nahe, dass die Unternehmensstrategie, führendes Rüstungsunternehmen Deutschlands zu werden, auch dem Wunsch der Regierung entspricht und die Bereitschaft da ist, ein solche Monopol zu akzeptieren.
Historisch geht das Unternehmen auf die Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik AG zurück, die 1889 gegründet wurde und insbesondere im Zuge des 1. Weltkriegs eine massive Expansion erlebte – Rheinmetall war bei Kriegsende 1918 mit 48.000 Mitarbeitern eine der größten Rüstungsschmieden Europas. Nach 1933 und der Erweiterung um die Liegenschaften von Borsig in Berlin, stieg Rheinmetall erneut zu einem der größten Rüstungsbetriebe Deutschlands auf. Die von Rheinmetall begründeten Rüstungskapazitäten wurden in die planmäßige Steigerung der Rüstungsproduktion für den beginnenden Zweiten Weltkrieg mit einbezogen und auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Nach dem Krieg und einer kurzen Phase ziviler Produktion setze an den Standorten des Konzerns erneut die Produktion von Waffen ein. Ab 1956 wurden an verschiedenen Standorten Maschinengewehre und Munition entwickelt und produziert. Ab 1964 wand man sich auch wieder größeren Kalibern zu. Wiederum avancierte Rheinmetall zum Ausrüster der deutschen Armee und war an der Entwicklung und der Produktion des Leopard 2 und anderer Landwaffensysteme wesentlich beteiligt. Der nachlassenden Nachfrage militärischer Güter vor allem durch die Bundeswehr in den 1980er Jahren begegnete der Konzern mit einer Ausweitung seines zivilen auf die Automobilindustrie ausgerichteten Geschäftes, erweiterte aber auch sein militärisches Produktportfolio durch den Zukauf verschiedener in den Konkurs gegangener Unternehmen. Ab 2000 wurde die Diversität, die der Konzern erreicht hatte, wieder teilweise zurückgeführt und auf die «Kernkompetenzen» Wehrtechnik, Automobiltechnik und Elektronik reduziert und Unternehmenteile, wie z. B. die auf Marinetechnik spezialisierte Atlas-Elektronik aus Bremen, weiterverkauft. Im Zuge der Konzentration kamen weitere Beteiligungen, Kooperationen und Zukäufe im Rüstungsbereich hinzu (u. a. mit Diehl-Defence, MAN, Cassidian (Airbus), HIL, KMW). Die Zweiteilung des Konzerns in die Bereiche Automotive und Defence wurde 2021 aufgelöst und eine integrierte Firma mit den fünf Divisionen Weapon & Ammunition, Electronic Solutions, Vehicle Systems, Sensors & Actuators und Materials & Trade geschaffen und damit der Zuschnitt auf den Rüstungsbereich noch einmal geschärft.
Das Angebot im Bereich gepanzerter und ungepanzerter Fahrzeuge für die militärische Verwendung ist breit aufgestellt. Hier reicht die Palette vom Leopard 2, der in Kooperation mit Krauss-Maffei Wegmann gebaut und ausgerüstet wird, über die Schützenpanzer Puma, Marder und Lynx, der als Exportmodell bis nach Australien hin verkauft wird, bis hin zum Wiesel, der in unterschiedlichen Ausführungen als luftverlegbare Einheit einsetzbar ist. Auch die Panzerhaubitze 2000, wiederum in Kooperation mit KMW produziert, und Bergepanzer sind im Angebot. Am britischen Challenger 2-Panzer ist Rheinmetall (in Kooperation mit BAE Systems) ebenfalls beteiligt – wiederum ein Panzer, der als Grundlage für weitere Anwendungen (Bergepanzer, Mannschaftstransporter, Minenräumer …) dient. Gepanzerte Radfahrzeuge, wie beispielsweise der Boxer, wiederum eine Kooperation mit KMW und abgewickelt in der Firma Artec in München, für eine vornehmliche militärische Verwendung werden ergänzt durch solche, wie beispielsweise der Survivor, die auch den zivilen Markt der Polizei adressieren. 2022 stellte Rheinmetall seine Eigenentwicklung eines Kampfpanzers (Panther) vor, der als Konkurrenzmodell zum geplanten MGCS anzusehen war und letztlich das Gewicht von Rheinmetall als führendem Panzerbauer in Europa stärken sollte.
Auch ungepanzerte militärische Fahrzeuge, vornehmlich Transporter, sind im Angebot und werden in Kooperation mit MAN gefertigt – Anfang 2021, mitten in der Pandemie, hat Rheinmetall beispielsweise einen Auftrag über 500 Mio. Euro für die Bereitstellung weiterer Transportfahrzeuge erhalten, davon 390 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket. Neben Fahrzeugen ist die Entwicklung von Glattwaffensystemen einer der Schwerpunkte des Konzerns – gebaut werden nicht nur großkalibrige Kanonen für Panzer oder die Artillerie, sondern auch Maschinengewehre mit mittleren Kalibern als Turmaufsätze oder Zusatzbewaffnung bzw. für den Marinebedarf kleinere Bordgeschütze. Zu allem liefert Rheinmetall auch die passende Munition bzw. die Treibladungen und Zünder und auch die für den Einsatz notwendige Elektronik und Software. Neben dem Geschäft mit dem Militär ist Rheinmetall auch als Lieferant der Automobilindustrie breit aufgestellt und fokussiert hier auf zukünftig relevanter werdende Technologien, wie Wasserstoff oder Elektromobilität – und schafft, wie an der neuen Unternehmensstruktur ablesbar, auch neue Synergien zwischen den Bereichen.
Rheinmetall ist an vierzig Standorten in Deutschland vertreten, wobei für das militärische Geschäft die größeren Standorte wie Kassel, Bremen, Oberndorf am Neckar, Neunburg am Rhein und Unterlüß ein erhebliches Gewicht haben – Rheinmetall gehört zu den Konzernen, die im Angesicht des Ukrainekrieges zur Erfüllung der übernommenen Rüstungsaufträge auch zivile Produktionskapazitäten umwandeln. Darüber hinaus bringt sich der Konzern ins Spiel um die Übernahme von zivilen Kapazitäten aus anderen Branchen, wie der Automobil- oder Lokomotiv-Produktion – Rheinmetall profitiert hier von der Schwächung der Gesamtwirtschaft und gibt sich das Image des Retters. Die vielen bereits erwähnten Kooperationen im nationalen Rahmen wären zu erweitern um eine Vielzahl von Verbindungen ins Ausland, in denen Rheinmetall auch eigene Werke und Vertretungen unterhält. Neben Niederlassungen in Großbritannien, USA und Australien sind auch Verbindungen nach Griechenland, Ungarn, Italien und in andere Länder bekannt – Rheinmetall zählt rund vierzig Tochtergesellschaften und Beteiligungen, von denen sich viele im Rüstungsbereich befinden. Von 2005 bis 2013 war Rheinmetall im Konzert mit Diehl-Defense und Krauss-Maffei Wegmann an der Heeresinstandsetzungslogistik beteiligt. Solche Formen von «Service», also der Betreuung der Produkte über ihre reine Bereitstellung hinaus, sind wesentliche Elemente der Umsätze fast aller Rüstungsunternehmen in Deutschland.
Rheinmetall fährt im Vergleich zu anderen Anbietern auf dem europäischen Markt eine aggressive Expansionspolitik und ist hierfür auch bereit Risiken und in Vorleistung zu gehen. So hat Rheinmetall nicht nur im Bereich Drohnen (früher EMT Penzberg) Firmen erworben, sondern auch in der Ausstattung von Feldlagern (Zeppelin Mobile Systeme). 2025 Rheinmetall die Bremer NVL (Naval Vessels Lürssen) übernommen und ist damit auch in die Marinerüstung eingestiegen. Rheinmetall ist ebenfalls in der Munitionsproduktion aktiv geworden und hat eigene Werke in der Ukraine aufgebaut, wie die Firma auch die Fertigung von Rumpfelementen für die aus den USA gelieferten F-35 Kampfflugzeuge bauen will. Rheinmetall ist neue Joint-Ventures mit verschiedenen europäischen Anbietern eingegangen, um sich Marktzugänge zu sicher, technologische Kompetenzen anzueignen oder aber auch nur um Kapazitäten zu erhöhen. Dabei geht es an keiner Stelle um Patriotismus oder die Verteidigung der Demokratie, sondern ausschließlich um die dauerhafte Erhöhung des Profits. Als zu Beginn des Ukrainekrieges zwar Sanktionen auf Geschäfte mit Russland angesetzt wurden, aber die Aufträge seitens der Bundeswehr auf sich warten ließen, überlegte der Vorstand die Bundesregierung auf Schadensersatz zu verklagen, da ein bereits weit fortgeschrittenes Geschäft über ein Gefechtsübungszentrum mit Russland auf Eis gelegt wurde.
Die Kritik am Konzern und seinem tödlichen Geschäft reißt seit Jahren nicht ab und immer wieder werden auch Fragen gestellt, in welcher Form beispielsweise Munitionsproduktion und -export der südafrikanischen Tochter Denel geregelt ist.
40476 Düsseldorf, Rheinmetall Platz 1, www.rheinmetall.com
(Text von: https://www.rosalux.de/vernetzte-waffenschmieden)

