Warum so perspektivlos? Stellungnahme zur heutigen IGM-Kundgebung
Heute Abend veranstaltete die IG Metall Osnabrück eine Kundgebung vor dem hiesigen VW-Werk. Der Tenor der Redebeiträge war Unsicherheit und Unzufriedenheit über fehlende Zukunftsperspektiven für die Beschäftigten. Leider versäumten alles Redner*innen, selbst Perspektiven zu eröffnen. Osnabrück müsse Industriestandort bleiben, das Management in Wolfsburg habe Fehler gemacht und sei jetzt in der Pflicht, sich um die Beschäftigten in Osnabrück zu kümmern, so der erste Bevollmächtigte Stephan Soldanski in seinem Redebeitrag. Woraus diese Kümmerung bestehen soll und warum überhaupt davon auszugehen sei, dass sich das Management in Wolfsburg jetzt für die Klagen der Osnabrücker Kolleg*innen interessieren soll bleibt offen. Genauso fehlt ein Vorschlag, welche Perspektive für das Werk denn nach 2027 stehen könnte. Der Elefant im Raum, nämlich eine seit Anfang des Jahres auch immer wieder offen angesprochene Rüstungskonversion der Fabrik (wie sie auch etliche weitere Automobil- und Zulieferfabriken zur Zeit vollziehen) wird nichtmal in einem Nebensatz erwähnt.
Deutlicher wurde da Oberbürgermeisterin Pötter in ihrem Redebeitrag. Dieser begann direkt mit einer Hetzrede. Die Aktivisten, die das Heger Tor bemalt haben, würden die Kolleginnen und Kollegen nur ins Verderben ziehen und könnten keine Zukunftsperspektive für das Werk benennen. Unter lautem Beifall von Stephan Soldanski und weiteren Redner*innen auf der Bühne wird dabei unter den Tisch gekehrt, dass auch Frau Pötter keine Perspektive zu bieten hat. Im letzen Redebeitrag nahm IGM Jugendsekretärin Fiona Grofer die Zuhörer*innen mit auf eine Zukunftsreise in ein Dystopisches Jahr 2035, das Ergebnis gescheiterter Sozialpolitik in den jetzigen Jahren. Hier war besonders auffällig, dass häufiger die Themen „Krieg“ und „Wehrpflicht“, niemals aber das Thema „Rüstungskonversion in Industriebetrieben“ angesprochen wurde. Es wirkt wie ein ungeschriebenes Tabu…
„Warum so perspektivlos?“, kommentiert Ruben Stephan aus Osnabrück. „Ich habe den Verdacht, dass die IG Metall das Thema Rüstungskonversion totschweigt, bis entweder ein Rüstungsbetrieb das VW-Werk tatsächlich übernimmt oder der Laden endgültig dicht gemacht wird. Das ist fatal, denn eine Kriegsfabrik bringt weder sichere Beschäftigung noch trägt sie zu einer besseren und sichereren Zukunft bei. Gerade jetzt wäre es stattdessen wichtig, tragfähige, sozial und ökologisch verträgliche und damit zukunftsfähige Perspektiven für das Werk zu entwickeln und zu debattieren. Das sollte die Rolle einer starken Gewerkschaft sein, die sich immerhin Abrüstung als Ziel in die Satzung geschrieben hat (siehe §2: [Die IGM …] setzt sich für die […] Abrüstung und Völkerverständigung und den Schutz der natürlichen Umwelt zur Sicherung der Existenz der Menschheit ein). Es hilft nichts, gemeinsam mit einer CDU-Oberbürgermeisterin Bitten zu stellen an eine Konzernspitze, von der es eh nichts zu gewinnen gibt.“
Seit geraumer Zeit unternehmen antimilitaristische Initiativen aus dem Aktionsnetzwerk „Zukunftswerk Osnabrück“ Versuche, mit der IG Metall ins Gespräch zu kommen, um für konkrete zivile Zukunftsperspektiven für VW Osnabrück zu kämpfen. „Schade, dass da von Seiten der IGM so wenig kommt!“

