Neues aus Krähwinkel an der Hase

Oder: Von Friedensstädten ohne Pazifismus und anderen kulinarischen Fortschritten

In Krähwinkel wird weiter gekrähwinkelt
wer hätte das gedacht…?!

  • Also: haargespalten.
  • Also: zitiert.
  • Also: verwertet.
  • Also: fortgeschrieben.

Nachdem man(n) sich jüngst noch mit Auszeichnungen behelfen musste, ist man(n) nun einen Schritt weiter.

Krähwinkel ist erleichtert.

Während die Schlapphüte des Staatsschutzes noch hausdurchsuchend der Frage nachgehen,
wer in dieser Stadt wen und in welcher Form einen Pimmel nennen darf,
hat der Rat endlich gesprochen.

Und wie er gesprochen hat…!!

Nachdem man(n) sich in den vergangenen Wochen noch mühsam damit abplagen musste, Krieg, Frieden, Produktion und Moral wenigstens äußerlich in Einklang zu bringen, ist nun ein Satz gefallen, der Ordnung schafft.

Ein Satz von jener schlichten Größe, die nur in wirklich schwierigen Zeiten hervorgebracht wird:

Osnabrück ist eine Friedensstadt.
Aber keine Pazifistenstadt
.

Auf solches muss mensch erst einmal kommen…

Das ist ungefähr so, als erklärte mensch feierlich, vegane Steaks seien zwar vegan, aber nicht zwingend fleischlos – sonst wären es ja keine Steaks. Da beeumelt sich die EU-Kommission vor Lachen…

Was ist das –
Eine Friedensstadt ohne Pazifismus?!

  • Ist das ein Frieden ohne Verzicht?
  • Ein Frieden mit Vorbehalt?
  • Ein Frieden unter Bedingungen?

Oder ein Frieden, der sich selbst absichert,
indem er das hervorbringt,
was ihn erst notwendig macht?

Mensch könnte auch sagen:
Ein Frieden,
der vorsorglich seine eigenen Gründe produziert.


Oder noch einfacher – für die ganz einfach gestrickten Gemüter –
in den Worten der amtierenden Ortsvorsteherin:
Da gibt es gar keinen Widerspruch.

Man(n) muss die Begriffe nur richtig justieren.
Frieden bleibt Frieden,
auch wenn man(n) ihn rüstungsindustriell und kriegsertüchtigt absichert
.

Pazifismus hingegen ist beweglich.

  • Er darf sich anpassen.
  • Er darf verschwinden.
  • Er darf – wenn es der Lage dient –
    ausgesetzt werden.

So entsteht zielgenau begriffliche Klarheit.

Das hat System.

Schon vor Wochen hatte der Erste Bevollmächtigte der örtlichen Metallarbeiterverwaltungsbehörde darauf hingewiesen, dass die Dinge ihren Gang gingen und nicht zur Disposition stünden.

Der Rat hat nun nachgezogen.

  • Man(n) bestätigt den Standort.
  • Man(n) sichert die Perspektive.
  • Man(n) wahrt die Verantwortung.

Und man(n) ergänzt filigran differenzierend:

  • Frieden – ja.
  • Pazifismus – nicht unbedingt.
  • Kriegsertüchtigung – auf jeden Fall!

Der Chef-Exeget vom Markt dürfte zufrieden sein.

Nachdem er Remarque bereits erfolgreich in die Vorhalle der neuen deutschen Wehrhaftigkeit begleitet hat, liefert die Kommunalpolitik nun die passende Alltagssprache:

  • Frieden ohne Pazifismus.
  • Verantwortung ohne Verzicht.
  • Moral ohne Konsequenz.

Das ist Auslegung in Anwendung.
Und die hat einen unschätzbaren Vorteil:

Sie entlastet.

Denn wenn Frieden auch ohne Pazifismus möglich ist,
dann ist niemand mehr gezwungen,
sich mit unangenehmen Fragen aufzuhalten.

Dann kann man(n) sichern,
ohne zu entscheiden
.

Dann kann man(n) ermöglichen,
ohne zu wollen
.

Dann kann man(n) zustimmen,
ohne verantwortlich zu sein
.

  • So wird aus der Friedensstadt ein Ort,
    an dem Frieden gedacht wird,
    während seine kriegerischen Voraussetzungen produziert werden.
  • Ein Ort,
    an dem man(n) den Krieg nicht will,
    aber alles dafür tut,
    dass er stattfinden kann – nur eben anderswo.

Das ist beruhigend.

Und der geneigt vor sich hindämmernde Michel unter seiner Schlafmütze darf aufatmen.

Die Begriffe stehen wieder stramm.

  • Frieden bleibt,
    wo er hingehört.

Und Pazifismus?

  • Der wird bei Bedarf eingeholt.
    Oder ausgesetzt.
    Oder – ganz im Sinne der neuen Klarheit –
    einfach nicht mehr benötigt.

So schreitet Krähwinkel voran.

  • Illusionsfrei.
  • Selbstgewiss
  • Kriegstüchtig.
  • Resilient.
  • Souverän.

Und wenn irgendwann jemand fragen sollte,
wie das alles zusammenpasst, wird man(n) sagen:

Es war doch alles ganz einfach.

In Krähwinkel
war man immer schon
für den Frieden.

Nur eben nicht unbedingt dagegen.


P.S.:
Fast wäre in Krähwinkel noch aufgefallen, dass es längst nicht mehr um Panzer geht.

Doch während die einen Frieden ohne Pazifismus erfinden,
sind die Antragsstellenden noch mit sich selbst beschäftigt.

Die Partei, die den ursprünglichen Antrag eingebracht hatte, rang derweil so sehr mit sich selbst –
über Texte, Parteitagsbeschlüsse und Verdachtsmomente, die so unerquicklich sind, dass sie jede Wirklichkeit zuverlässig verdecken –, dass sie gar nicht bemerkte, wie sich die Wirklichkeit inzwischen verändert hat.

Denn es geht längst nicht mehr um Panzer.
Sondern um elektronische Himmelsgewölbe.

Um Systeme,
die Angriffskrieg erst komfortabel machen

weil sie Sicherheit versprechen,
indem sie den Gegenschlag berechenbar halten.

Ein beruhigender Gedanke.

Denn wer sich sicher fühlt,
kann entschlossener handeln
.

Und wer entschlossener handelt,
braucht sich über die Folgen weniger Gedanken zu machen
.

In Krähwinkel nennt man auch das:

  • Differenzierung.

Und wenn es besonders gut gelingt,
sogar:

  • Auszeichnung.

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Eine Antwort

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