Rheinmetall winkt zu Osnabrück vorerst ab: Ein erster Schritt in die richtige Richtung!
Stellungnahme zur aktuellen Ankündigung, dass Rheinmetall kein weiteres Interesse am Produktionsstandort Osnabrück hat.
„Rheinmetall winkt bei VW-Werk in Osnabrück vorerst ab“, titelt n-tv am Donnerstag Nachmittag. Und weiter: Rheinmetall verhandle aktuell nicht mit VW über eine Übernahme des Osnabrücker Volkswagen-Werks. Aktuell verfüge Rheinmetall über ausreichend eigene Kapazitäten, um die bestehenden Aufträge zu erfüllen, sagte Konzernchef Armin Papperger vor dem Verein der Ausländischen Presse in Deutschland. Dies könne sich bei zusätzlichen Großaufträgen aber ändern.
Was bedeutet das für Osnabrück und die Zukunft des VW-Werks?
1. Nicht der Strategie Pappergers auf den Leim gehen!
Wir nehmen die vorerste Absage von Rheinmetall zur Kenntnis, noch ist aber nicht der Zeitpunkt, um zu feiern. Denn wenn Papperger persönlich vor die Presse tritt, stehen strategische Überlegungen des Konzerns im Hintergrund. Diese gilt es nun zu verstehen. Eine Möglichkeit: Nach dem umfassenden Rüstungsboom der vergangenen Monate, in dem sich Rheinmetall als vermeintlicher Alleskönner Aufträge gesichert hat, könnten die aktuellen Friedensverhandlungen zum Ukrainekrieg einen Strategiewechsel für den Rüstungskonzern bedeuten. Ein Zögern Pappergers zur Übernahme des Standorts senkt den Preis für das Werk.
Denn bisher sind weiterhin keine alternativen Produktionspläne öffentlich. Spätestens 2027 läuft die bisherige Produktion aus, VW will das Werk loswerden. Das Druckmittel der prestigeträchtigen Arbeitsplätze setzt so besonders die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land, sowie die Gewerkschaft unter Zugzwang. Statt sich jetzt an den Rüstungsriesen anzubiedern, ist es höchste Zeit, sich von dessen Interessen zu emanzipieren.
2. Höchste Zeit, um eigene Konversionsideen fürs Werk zu entwickeln!
Die bisherige Tatenlosigkeit in der Entwicklung eigener Perspektiven für das Werk vonseiten bspw. des Betriebsrats macht die Beschäftigten am Standort jetzt besonders angreifbar. Nicht nur im hiesigen Werk, sondern für alle auslaufenden und kriselnden Produktionsstätten der Autoindustrie brauchen wir endlich langfristige Perspektiven für eine sozial und ökologisch sinnvolle Produktion. In Osnabrück wurden mit MOIA bereits in der Vergangenheit Kleinbusse gebaut. Gerade für den Ausbau eines flexiblen und attraktiven öffentlichen Nahverkehrs in ländlichen Regionen werden schon jetzt zahllose Fahrzeuge benötigt.
Wir wünschen uns deswegen jetzt noch einmal verstärkt die aktive Auseinandersetzung und den öffentlichen Austausch mit VW-Beschäftigten, mit der IG Metall und mit anderen Osnabrücker*innen darüber, was wie und unter welchen Bedingungen hier produziert werden soll.
3. Keine einzige Kriegsfabrik in Osnabrück und auch nicht anderswo!
In dieser Entwicklung neuer Ideen muss ein klares Nein zur weiteren Aufrüstung zentral bleiben. Denn auch wenn Rheinmetall die Fabrik in Fledder nicht übernehmen sollte, ist das noch keine Zusage für eine zivile Zukunft des Werks. Rheinmetall ist nur einer von vielen Rüstungskonzernen, die gerade ihre Produktionskapazitäten erweitern wollen, wo es nur geht.
Die Dringlichkeit zu handeln ist mit der aktuellen Entwicklung nur weiter gewachsen. So soll die Stimmung, die wir in Osnabrück in den letzten Monaten gegen eine Rheinmetall-Übernahme losgetreten haben, nicht nur eine Ansage an Rheinmetall, sondern an alle Rüstungskonzerne sein. Wir werden kein weiteres Rüstungsunternehmen in Osnabrück Fuß fassen lassen!
Mit klarer antimilitaristischer Grundhaltung arbeiten wir weiter gegen Zeitenwende, Aufrüstung und Militarisierung.

